Der Startplatz Kruševo liegt über bewaldeten Hängen und schaut in eine pelagonische Ebene, die sich bis zur griechischen Grenze zieht. Von oben sieht das aus wie Thermik-Garantie. Von oben täuscht man sich manchmal.
Die Stadt liegt auf dem Bergrücken selbst, auf fast 1'350 Metern, was bedeutet: fünf Minuten zu Fuss und du stehst auf dem Startplatz. Das ist die gute Nachricht. Was danach kommt, hängt davon ab, ob du die Westseite oder die Ostseite des Tals triffst.
Die Westseite: bewaldete Hügel, moderater Aufbau, gut für Eingewöhnung und erste Strecken. Die Ostseite: felsige Bergrücken, Thermikblasen die sich schnell entwickeln, starke Konvergenz an den Gipfelkanten. Das Fluggebiet ist eine natürliche Schüssel — nach Norden kommst du bis Prilep, nach Süden bis zur Grenze. Dreiecke sind hier das natürliche Format.
Der Tag auf der Ostseite
An einem der mittleren Tage haben wir die Ostseite zu spät verlassen. Die Thermik dort läuft nachmittags aggressiver als der Morgen verspricht — schnelle Aufbauphase, hohe Basen, enge Kerne. Wer nicht rechtzeitig Richtung Tal dreht, muss früher landen als geplant, auf Feldern, die man vorher nicht als Landefelder identifiziert hat.
Kruševo war Gastgeber für den PWC und für Europameisterschaften. Die lokalen Piloten wissen das und fliegen entsprechend. Das ist lehrreich — und ein klares Signal über das Niveau, das das Gebiet von dir erwartet.
Am Abend sassen wir auf der Hauptstrasse von Kruševo, die gleichzeitig der einzige Platz der Stadt ist, und tranken Kaffee. Das war, nach allem, der beste Teil des Tages.

