Die Skinfelle haben beim zweiten Steilstück nach der Wildruhezone Riedbüel angefangen zu rutschen. Nicht katastrophal. Genug, um den Rhythmus zu brechen und jeden Schritt zu einem kleinen Verhandlungsgespräch zu machen.
Der Aufstieg von St. Antönien auf 1'420 Metern geht zunächst westwärts an der Junker-Piste vorbei, durch die Riedbüel-Wildruhezone in die offene Weite, bevor er zur Alp Valpun auf 1'882 Metern anzieht. Hier endet das Warmwerden.
Vor der Alp biegt die Route nach Süden. Der Nordrücken zum Chlei Chrüz auf 2'103 Metern ist gut zu gehen, wenn die Felle funktionieren. Der Schlussanstieg zum Gipfel auf 2'196 Metern ist kurz und unanständig steil — genau das Letzte, das ein Splitboard am Rücken noch braucht.
360° und ein schlechter Plan
Oben haben wir fünf Minuten gewartet, bis der Atem wieder normal war. Das Prättigau liegt dann unter dir wie eine Landkarte, die jemand sehr sorgfältig gefaltet hat: der Rätikon-Kamm im Norden, die Weitsicht bis zu den Churfirsten, die Silhouette der Verwall-Gruppe irgendwo im Westen.
Wir hatten die Abfahrt nach Gadenstätt geplant. Die Osthänge hatten seit zwei Tagen Wind, und Windkruste auf Splitboard ist das, was du am Gipfel nicht mehr denken möchtest. Also die lange Variante zurück nach St. Antönien — mit mehr Traversieren als Fahren, aber der Pulverschnee in den Nordmulden hat das wieder gerade gebogen.

