Die Serra da Estrela hat klare Prinzipien: morgens gut, mittags unsicher, nachmittags dein Problem. Wir hatten am dritten Tag das Prinzip noch nicht verstanden.
Das portugiesische Inland ist Gleitschirmgebiet ohne Aufsehen. Keine grossen Wettkampfnamen, keine Massen, dafür Soaringgebiete an Hängen die optimal zur Westströmung stehen, und XC-Möglichkeiten in einem Gelände, das nicht durch Alpenpässe oder Grenzlufträume segmentiert wird. Die Serra da Estrela als Hauptspot, Chaves im Norden, Mirandela, Linhares, Montalegre an der Grenze zu Galicien.
Die ersten Tage waren das, was man in der Planung nicht aufschreibt, weil es sich zu gut liest: stabiler Aufbau um elf, saubere Thermik, Basen zwischen 1'800 und 2'200 Metern. Wir haben lange Flüge gemacht und früh gelandet und abends auf der Terrasse gesessen wie jemand, der die Quittung noch nicht sieht.
Montalegre und der zu starke Wind
Dann Montalegre, ganz im Norden, wo kurz zuvor die Europameisterschaft gewesen war. Auf der Karte sah das Gebiet vielversprechend aus. Am Startplatz stand eine Windsocke die waagerecht stand.
Wir haben uns umgedreht und sind zurück nach Süden gefahren. Keine Diskussion, kein Kompromiss. Zwei Stunden später standen wir an einem anderen Startplatz, der Wind war harmlos, und der Flug war besser als geplant.
Portugal lehrt eine Sache schnell: Der Plan ist immer ein Vorschlag. Die Region hat genug Alternativen, dass das kein Verlust ist.

