Wir sind von der Mittelstation Bort aufgestiegen, weil die Gondel zu First eine Option war, die wir nicht gebraucht haben. Falsche Entscheidung — aber erst im Nachhinein sieht man das.
Der Alpenrosenweg ist eine der wenigen Wanderungen im Berner Oberland, die ihren Ruf vollständig verdienen. Von Bort führt er über Bergwälder und Heidelbeerfelder zum Bachalpsee, der so liegt, als hätte jemand den Eiger und die Wetterhorn-Gruppe als Hintergrundkulisse absichtlich hingestellt. Das ist keine Übertreibung — das ist einfach Grindelwald.
Die Strecke zieht durch Moorlandschaft, vorbei an Feuchtgebieten wo sich der Mühlebach schlängelt, durch ein Meer von Alpenrosen kurz vor dem Waldspitz. Enzian, Schwefelanemone, Purpurenzian — die Flora ist ausgedehnt genug, dass man aufhört, die Namen nachzuschlagen, und einfach geht.
Der Nebel ab 1'900 Metern
Auf dem Rückweg kam der Nebel von Norden, so wie er im Berner Oberland kommt: ohne Ankündigung, in zwanzig Minuten. Der Bachalpsee war noch sichtbar, First nicht mehr. Wir haben im Waldspitz gewartet — mit Kaffee und einem Stück Kuchen, der mehr als gerechtfertigt war.
Gegen 16 Uhr hat es aufgeklärt, und die Gondel nach unten war voll mit Leuten, die dasselbe Kalkül gemacht hatten. Das Berner Oberland erzieht auf seine eigene Art.
Der Aufstieg ab Bort über den steileren Bergweg lohnt sich. Nicht trotz der Möglichkeit zu liften — sondern genau wegen ihr.

