Der Startplatz am Fürhörnli liegt so exponiert, dass man beim Auslegen des Schirms automatisch zweimal nach rechts schaut — zum Rheintal hin, dann zur Stadt Chur unten, dann nochmals zum Wind.

Das Fürhörnli ist der bekannteste Aussichtsberg über Chur. Auf 1'888 Metern, als letzter südlicher Ausläufer der Calanda-Gruppe, steht man hier wie auf einem Balkon. Chur liegt direkt darunter: die Altstadt, das Rheintal, die Bahngeleise Richtung Graubünden. Und 160 Höhenmeter oberhalb liegt der Montalin auf 2'049 Metern — wer nicht mit dem Startplatz Fürhörnli zufrieden ist, geht eben noch weiter.

Der Aufstieg ab Chur-Masans führt durch Wald, dann offenes Gelände, rund 1'300 Höhenmeter bis zum Gipfel. Mit Schirmrucksack zwei bis zweieinhalb Stunden. Mit frischen Beinen und gutem Timing.

Was Hike & Fly eigentlich ist

Hike & Fly ist der klarste Ausdruck des Prinzips, dass du nur bekommst, was du trägst. Du packst den Schirm in den Rucksack, nimmst die Leinen und das komplette Equipment auf den Rücken, und steigst damit auf — so wie alle anderen, nur schwerer und mit einer anderen Ziellinie.

Das Gewicht eines Hike-&-Fly-Schirms liegt zwischen 3 und 5 Kilogramm, Rettungsschirm und Gurt inbegriffen. Zum Vergleich: ein guter Eintages-Wanderrucksack mit Verpflegung wiegt ähnlich. Das Problem ist nicht das Gewicht allein — es ist die Form. Ein Schirm im Rucksack verlagert den Schwerpunkt nach hinten, was auf Steilgelände die Beinarbeit verändert. Nach zwei Stunden Aufstieg spürst du das in den Hüftstreckern auf eine Art, die sehr spezifisch und wenig romantisch ist.

Der Lohn kommt am Gipfel. Nicht in Form einer Aussicht — die ist beim normalen Wandern dieselbe. Sondern in Form der Entscheidung: du bleibst nicht auf dem Berg. Du fliegst runter.

Die Runde über den Montalin

Wir haben an jenem Tag die längere Variante genommen: Fürhörnli queren, weiter auf den Montalin. Die Hochebene zwischen den beiden Gipfeln ist nach dem Steilaufstieg eine Erholung — flach, besonnt, mit Blick auf die Churfirsten westlich und die Calanda-Kette nördlich.

Auf dem Montalin selbst sind auch andere Piloten. Ein Guide mit Flugschüler aus Chur, eine Solo-Pilotin die auf ihre Windwartezeit nutzt. Das Briefing ist kurz: Nordstart, Südwind tendiert heute zur Thermik ab 11 Uhr, Landefeld am Rossboden in Chur. Das war der Mittagsplan.

Um 10:45 Uhr war die Thermik schon da. Der erste Aufwind kam vom Hang, gleichmässig, sauber. Einer nach dem anderen gestartet, einer nach dem anderen in die Spirale gegangen. Dann der Gleitflug: Montalin auf 2'049 Metern, Chur auf 585 Metern, rund 1'500 Höhenmeter Luft.

Was nicht gestimmt hat

Der Rückflug mit dem Bus von Chur zurück nach Masans für den Aufstieg. Nicht dramatisch. Nur der Klassiker: du planst die Tour vom Startpunkt aus, vergisst aber, dass der Landepunkt woanders ist. Wir standen am Rossboden mit dem Schirm auf dem Rücken und haben auf die Uhr geschaut. Der Stadtbus fährt stündlich. Den einen haben wir knapp verpasst.

Das Bier an der Bushaltestelle war trotzdem gut.

Thermik über Chur — was du verstehen musst

Das Churer Rheintal ist ein Lehrbuchfall für Hangthermik. Die Süd- und Südosthänge der Calanda-Gruppe und des Fürhörnli werden früh besonnt, heizen sich schnell auf, und schicken die erwärmte Luft als Thermikblase nach oben. Der Fluss Rhein und die Talböden steuern kühle Luft bei — das erzeugt eine Konvergenz, die bei gutem Timing mit stabilen Aufwinden belohnt wird.

Was das praktisch bedeutet: Frühstarter kommen in ruhige Bedingungen mit ersten Thermikanzeichen. Spätstarter kommen in entwickelte Thermik, die stärker und weniger vorhersehbar ist. Das Fenster, in dem Chur am einfachsten zu fliegen ist, liegt zwischen 10 und 13 Uhr — danach entwickelt sich die Konvektion über den Bergketten, und wer noch auf Strecke ist, fliegt mit deutlich weniger Kontrolle über seine Optionen.

Highlight

Aufstieg ab Chur-Masans oder mit der Buslinie zum Waldhaus, rund 1'300 Höhenmeter auf den Montalin. Der Startplatz Fürhörnli ist 160 Höhenmeter tiefer und einfacher erreichbar. Nordstart bei Süd-Thermiksignal, Landefeld Rossboden Chur. Rückweg mit dem Stadtbus. Keine Gondel, kein Lift — das ist der Punkt.