Die berühmte Leiter auf dem Grat zum Piz Beverin ist einen Meter breit und senkrecht — mit einem Gleitschirm auf dem Rücken, der denkt, er sei ein Segel.
Der Aufstieg beginnt in Mathon, steigt entlang des Val-Mirer-Bachs durch alpines Gelände, quert den Bach und führt zur Abzweigung, die auf den Südhang weist. Vom Beverin Pintg auf 2'591 Metern — dem kleinen Beverin — ist es dann nur noch der Grat mit der Leiter, und danach, ohne besondere Anstrengung, der Gipfel auf 2'998 Metern.
Der Piz Beverin ist einer dieser Graubündner Gipfel, die so exponiert stehen, dass man sich fragt, warum man so lange gewartet hat. Das Rheintal auf der einen Seite, das Prättigau auf der anderen, dazwischen der Sinn für eigene Kleinheit, den nur eine Fast-Dreitausender-Höhe vermittelt.
Wind am Gipfel und die Entscheidung
Wir haben oben gewartet. Zwanzig Minuten, dreissig. Der Wind kam nicht von einer Seite, sondern tat, was Gipfelwind macht: er drehte. Das ist beim Gleitschirm die Aufforderung, nochmals nachzudenken.
Der Start ist von der Nordseite gut möglich, wenn die Strömung passt. Der Abstieg ist weniger spektakulär — was der Hauptgrund ist, warum man am Gipfel wartet, bis das Fliegen Sinn macht, anstatt abzusteigen. Wir haben gewartet. Dann hat es gepasst.
Der Flug von 2'998 Metern ins Tal ist kurz genug, um jede Sekunde davon zu kennen.

