Wir hatten die Steilheit falsch eingeschätzt. Nicht auf dem Aufstieg — der war, wie angekündigt, unter 30 Grad. Sondern auf der Querung nach dem Gipfel, wo der Nordhang steiler war als die Karte vermutete und der Schnee nicht mehr das war, was er vor zwei Tagen gewesen war.

Der Hüenerchopf auf 2'154 Metern liegt im nördlichen Bündnerland, südwestlich von Chur, und ist einer jener Gipfel, die man als sichere Skitour beschreibt — zu Recht, wenn man die richtige Route nimmt und die Lawinensituation ernst nimmt. Der Aufstieg über die Südostflanke bleibt konsequent unter 30 Grad, das Gelände ist offen, und die Rückholung nach Chur ist logistisch simpel.

Das Rheintal und die Churfirsten im Westen, der Calanda direkt nördlich, der Piz Beverin im Süden — der Hüenerchopf bietet aus seiner Mittellage einen Überblick, den man bei schönem Wetter schwer wieder vergisst. Das Gipfelkreuz steht seit Jahren, die Bank darunter lädt ein, aber die Luft auf 2'154 Metern im März ist kalt genug, dass die Pause kurz ausfällt.

Warum unter 30 Grad wichtig ist

Lawinen lösen sich bevorzugt in Hangneigungen zwischen 30 und 45 Grad aus. Das ist keine Meinung — das ist die physikalische Realität der Schneedecke. Unter 30 Grad ist die Reibung zwischen Schneepaketen gross genug, dass ein spontaner Abgang bei normalen Verhältnissen selten wird. Über 30 Grad beginnt der Bereich, in dem der Schnee entscheidet, ob deine Planung gut war.

Der Hüenerchopf-Aufstieg bleibt davon grösstenteils unberührt. Aber die Querung nach dem Gipfel tut es nicht immer. Wer die Route kennt und nur den Hauptanstieg plant, ist sicher. Wer anfängt zu variieren — in unserem Fall Richtung Nordcouloir, weil der Tiefschnee verlockend aussah — muss nachmessen, was er gerade vorhat.

Wir haben das Couloir angeschaut, kurz diskutiert, und sind auf dem Normalweg geblieben. Es war richtig. Der Nordhang hatte in der Nacht zuvor Temperatureinfluss bekommen, die Oberfläche klang hohl. Das ist das Geräusch, das Skitourer kennen und nicht mögen.

Der Aufstieg ab Chur-Masans

Start im Ortsteil Masans, Stadtrand von Chur. Die Route führt auf gut markiertem Sommerweg erst durch Mischwald, dann über offene Alpweiden zur Alp Felsberg. Hier, auf rund 1'400 Metern, beginnt das eigentliche Tourgelände: der Hang öffnet sich, die Aussicht kommt, und man versteht, warum dieser Berg für Anfängerskirtouren empfohlen wird.

Vom Sommerweggrat geht es auf den Südostgrat, dann leicht links auf den Gipfelhang. Die letzten hundert Höhenmeter sind etwas steiler, aber der Tiefpunkt bei 29 Grad ist nicht nur Zufallsergebnis, sondern macht die Planung klar: Hauptaufstieg, Hauptabfahrt, keine Varianten, wenn der Schnee nicht stimmt.

Drei Stunden Aufstieg bei normaler Geschwindigkeit. Vollen Tank voraus.

Snowboarden auf Tourenski-Terrain

Der Hüenerchopf ist ein Skitourenberg, der für Splitboards gut funktioniert — vorausgesetzt, du weisst, was Splitboarden auf einer Gipfelvariante bedeutet. Der Carving-Stil, den du am Pächten oder in Laax trainierst, hilft dir bei der Abfahrt über Firn oder Pulver. Er hilft dir nicht bei der Querung über Hartschnee in 28-Grad-Neigung, wo du jeden Kante-Einsatz kontrolliert setzt.

Splitboard ist kein Kompromiss gegenüber Tourenski. Es ist ein anderes Gerät mit anderen Stärken: bessere Abfahrtsperformance in lockerem Schnee, direktere Beweglichkeit in Steilgelände. Dafür ist das Aufstiegsgewicht höher, die Steigeisenkompatibilität begrenzter. Für den Hüenerchopf: vollständig geeignet. Für den Nordhang-Couloir: nur mit dem Können, das Splitboard in steilem, eisigem Gelände wirklich zu fahren.

Die Abfahrt über die Aufstiegsroute hat uns gut 40 Minuten gegeben. Pulver bis 1'600 Meter, dann Bruchharsch, dann Firn unten. Das ist der Rhythmus im März auf diesem Hang.

Highlight

Hüenerchopf ab Chur-Masans, 1'569 Höhenmeter, 3 bis 3,5 Stunden Aufstieg. Gesamtroute bleibt unter 30 Grad — geeignet für Einsteiger in die Skitouristik wenn die Lawinensituation es erlaubt. Ausrüstung: LVS, Sonde, Schaufel sind Pflicht, keine Verhandlungssache. Für Splitboard vollständig geeignet. Keine Gondel, kein Zustieg mit Auto über Sommer, Fussmarsch ab Stadtrand.