Es war der 27. Dezember, und die Windsocke stand horizontal. In der falschen Richtung.
Das ist der Einstieg in jeden Jahresend-Flugversuch in Gozd: du schaust auf die Socke, du schaust auf den Hang, du schaust nochmals auf die Socke. Das slowenische Karst-Plateau nördlich von Nova Gorica hat im Winter eine Eigenheit, die kein Winterflugbuch vollständig beschreibt: die Bora.
Der Nordostwind der den Balkan im Winter versorgt, kommt aus dem Velebit-Gebirge und rollt über den Karst Richtung Adria. Stark, trocken, kalt. Wenn er weht, fliegt man nicht. Wenn er aufhört, hat man manchmal ein Fenster von zwei, drei Stunden mit solarer Thermik aus den Südhängen — in dem Fall ist Gozd einer der wenigen Orte, wo man im Dezember wirklich in der Luft ist.
Was der Winterflug in Gozd ist
Der Startplatz liegt am Fuss der Kriska gora, auf der Südseite des Hügels. Zustieg um den Hügel herum, auf einer Forststrasse die im Sommer mit dem Auto zugänglich ist und im Winter mit Eis überzogen sein kann — was den Aufstieg zum Startplatz bereits zu einem Sicherheitsposten macht.
Die Thermik im Dezember ist schwach und liest sich anders als im Sommer: kein sauberer Kern, keine hohe Basis, keine stabile Aufbaustruktur. Was es gibt: Soaring an den Südhängen, wenn der Wind gerade genug und nicht zu stark ist. Flugzeiten von zwanzig Minuten bis zwei Stunden, je nachdem, ob das Fenster hält.
An jenem Tag hatte das Fenster gehalten. Wir waren zu dritt oben — zwei Schweizer, ein Slowene, der schon seine sechzehnte Jahresend-Saison in Gozd gemacht hat. Er hat nicht gewartet, bis der Wind optimal war. Er hat das Quasioptimum genommen und ist los.
Das ist die Beta, die man sich in sechzehn Jahren kauft.
Warum Silvester in Slowenien fliegen
In der Schweiz liegt zu dieser Zeit Inversion. Der Bodennebel hält sich hartnäckig, die Flugtage sind selten, und wer fliegen will, muss über 1'200 Meter und hofft dass die Basis oben irgendwo ist.
Gozd liegt auf 400 Metern, das Adriaklima hat Einfluss, und die Sonne scheint im Dezember oft während die Schweiz im Hochnebel versinkt. Das ist kein Werbetrick — das ist eine Klimatologie, die Piloten seit zwanzig Jahren nutzen.
Was du dafür brauchst: Toleranz für unvorhersehbare Bedingungen, die Bereitschaft, zwei Tage für ein Fenster von drei Stunden zu warten, und die Mentalität, dass ein Winterflug über dem Karst auch dann einen Wert hat, wenn er kürzer als geplant ist.
Was schiefgelaufen ist
Der letzte Tag hatte wieder Bora. Wir haben den Morgen am Startplatz verbracht, die Socke zugeschaut, und gegen 14 Uhr entschieden, es nicht zu erzwingen. Das ist kein Drama. Das ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die man in einem Fluggebiet treffen kann: umzukehren, wenn die Bedingungen klar sagen, dass heute nicht dein Tag ist.
Das Abendessen in einem Restaurant in Nova Gorica — Cevapi, Pivo, gutes Gespäch — war besser als ein schlechter Flug hätte sein können.

